Geschichtliches aus St. Wolfgang - „ Unter die Haube gekommen“
Adele Sungler geb. Gandl
Immer wieder wird mir die Frage gestellt, seit wann es denn in St. Wolfgang eine Goldhaubengruppe gibt. Einer der besten Kenner von Tradition, Tracht und Brauchtum im Salzkammergut war der aus Bad Ischl stammende WHR Prof. Dr. Franz C. Lipp der durch viele Jahrzehnte hindurch Österreichweit und auf internationaler Ebene als Wissenschaftler wirkte. Ich hatte die Ehre in vielen Belangen mit diesem Freund der Familie zusammen arbeiten zu dürfen. Aufgrund seiner damaligen Analysen und Begutachtungen der in St. Wolfgang vorhandenen Goldhauben und Kinderhäubchen kam er aufgrund des „Knaufes“ in vollendedster Form, auf ein Alter von 200 – bis 220 Jahre. Noch etwas älter waren die Pelz und Berghauben mit goldgesticktem Scheitelboden. Gleichrangig im Wert und Alter waren auch die schwarzen Spitzen – Perlstäbchen- oder Tüllhäubchen. Hauben mit Goldstickerei waren von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Gebrauch. Schon im Altar Michael Pacher, findet sich auf dem Tafelbild „ der Ehebrecherin “ von 1481, eine dieser kostbaren Kopfbedeckungen für Frauen „die unter die Haube kamen“, also folglich verheiratet waren.
Wie auf alten Gemälden um 1800 zu sehen ist, trugen schon vor 200 Jahren Bürgerfrauen von St. Wolfgang zu ihren noblen, farblich fein abgestimmten Biedermeier Reinseiden- oder Brokatkleidern, die kostbaren Hauben die an die alte Bürgertradition von St. Wolfgang gebunden waren. Auf 32 Häusern ruhten die „Gerechtigkeiten“ zur Ausübung eines Zunftgewerbes. Den Frauen dieser 32 Bürgerhäuser war das Recht des Tragens der Goldhauben bei allen kirchlichen und ortsüblichen Festen gegeben. Daher bedurfte es keiner Vereinigung oder Vereinsgründung, denn die Regeln waren im freien Bürgerecht, festgelegt. Daher war es auch der Stolz jedes begüterten Marktbürgers, sein Eheweib und die Kinder auf das vornehmste einzukleiden und zu schmücken. Einige schöne Porträts von Frauen in der Goldhaubentracht des 19. u. 20.Jhdt. konnte man in den mittelalterlichen Ahnensälen, der Bürgerhäuser mit den getäfelten Stuben und Tramdecken verziert vorfinden.
Neues Aufleben und ein großer Aufschwung für St.Wolfgang brachte die nahe gelegene sommerliche Kaiserresidenz in Bad Ischl ( 1829-1916). Eine große Vorbildfunktion im Formenreichtum und der Farbenvielfalt für die Damenmode, übte die Blütezeit des Kaiserlichen Hofes in Bad Ischl aus. Wie auf Postkarten zu sehen, lud Seine Majestät Kaiser Franz Josef I., die Goldhaubendamen von St. Wolfgang zum Kaiser-Huldigungs-Festzug am 12. Juni 1908 nach Wien ein. Sein Regierungsantritt jährte sich zum sechzigsten Mal. Postkarten und Bilder von den Anfängen der Photographie gibt es auch zur 950 Jahrfeier 1926, – 1932 – 1000 Jahrfeier 1976, 100 Jahre MGV 1978. Auch die Photos von Profis und Berufsphotographen zeichnen sich durch einen hervorragenden, lokalhistorischen Schatz aus. In meiner eigenen Familie sind sechs Generationen von Goldhaubenträgerinnen in Bildern nachweisbar. Seit 1955 bin ich bei der Goldhaubengruppe, Frau Anna Perfaller, die legendäre Trachtenschneiderin war damals die Obfrau. Für allfällige und kleinere Ausflüge wurde anno dazumal ein bescheidener Unkostenbeitrag eingehoben. All dies ergab sehr rasch ein intaktes Zusammenleben der Brauchtumsgruppen.
Da es zu diesem Zeitpunkt nach dem Kriege nur mehr wenige Goldhauben tragende Bürgerinnen gab, wurde zur Heranziehung von jungen Frauen und Mädchen, zur Neubelebung der Gruppe, der erste Goldhaubenstickkurs abgeführt. Dies war auch die Öffnung, hin zum Miteinander in der Gemeinschaft. Die seit dem 19. Jahrhundert von den einheimischen Bürgerinnen in St. Wolfgang getragene Goldhaube zu bewahren, die Tradition mit der Gegenwart zu verbinden und in der alten kirchlichen Überlieferung zu vereinigen ist und bleibt das Ziel. Jeder Neuanfang birgt die Chance aus der Vergangenheit eine Brücke zur jungen Generation in die Gegenwart zu schlagen.
Das neuerwachte Interesse für die Geschichte der Goldhaubenfrauen von St. Wolfgang wird an Hand historischer Photo Archive, Dokumentationsmaterial kultureller Ereignisse, mündliche Überlieferung der Vergangenheit, bei der Erstellung einer Goldhaubenchronik herangezogen und zusammengefasst.
Adele Sungler geb. Gandl – März 2006


Chronik 1955Unsere Chronik beginnend mit 1955

1976: 1000 Jahrfeier der Gründung St. Wolfgangs

1978: 100 Jahrfeier MGV St. Wolfgang mit LH Dr. Josef Ratzenböck, OOE, Dr. Wilfried Haslauer Salzburg und Landesobfrau der Goldhauben Anneliese Ratzenböck und Thesi Haslauer


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